Heute Abend geht „X Factor“ in die dritte Runde –
und die Juroren sind schräger als die Kandidaten. Mittlerweile kann es
sich das Format sogar leisten, mit den Erwartungen zu spielen.
Ein bisschen erstaunlich
ist die Jury-Riege schon. Über Top oder Flop bei „X Factor“ entscheiden
in dieser Staffel vier Menschen:
Sarah Connor ist wieder dabei, neu
hinzu kamen Sandra Nasic von den Guano Apes, Rapper Moses Pelham und
H.P. Baxxter von Scooter. Nun muss man Scooter nicht mal sehr gut
kennen, um zu wissen: Baxxter singt selten, er brüllt eher
aufmerksamkeitsheischende Worte in ein Mikrofon. Vor etwa hundert Jahren
hatten Scooter allerdings mal eine Ballade namens „Break it up“ in den
Charts, die Baxxters Platz in dieser Jury wohl rechtfertigt. Sein
Vorgänger auf diesem Stuhl, Till Brönner, ist ja auch „nur“ Trompeter
auf Weltklasseniveau.
Jedenfalls stellt Baxxter gleich klar, ihm
ginge es mehr ums Gesamtpaket als um den Gesang. Jemand mit dieser
Ansage sitzt eigentlich in jeder Jury dieser Art, denn seine Auswahl
erhöht den Unterhaltungswert der Show ungemein. Der Frankfurter Rap-Pate
Moses Pelham (kennt den die Zielgruppe eigentlich noch?) wird dagegen
als Liebhaber von Schmachtfetzen kategorisiert – eine weitere kleine
Überraschung.
Erst weinen, dann singen
Ein paar nicht
nennenswerte Kleinigkeiten haben sich im Ablauf der Show verändert. Aber
eines fällt ins Auge: Das Studio ähnelt frappierend dem von „The Voice
of Germany“. Es muss ein harter Schlag gewesen sein für die Produzenten,
dass da im November 2011 auf einmal eine noch kuschligere Show lief als
„X Factor“. Bis dahin fiel man schon als freundlich auf, wenn man sich
die Sprüche sparte, die die Juroren bei „Deutschland sucht den
Superstar“ raushauen. Und dann war da auf einmal eine Sendung, in deren
Anfangsrunde nicht mal schnöde Äußerlichkeiten eine Rolle spielten.
Dieses
Spannungsverhältnis greift „X Factor“ tatsächlich ironisch auf: Der
erste Kandidat wird gleich mal beim vermeintlichen Weinen nach dem
Auftritt gezeigt, bevor überhaupt sein Gesang eingespielt wird. „Wer hat
ihn wohl zum Weinen gebracht?“, tönt eine Stimme aus dem Off. Einen
kurzen Moment wirkt das alles wie bei „DSDS“. Aber dann ist es doch nur
tränenreiches Gekicher aus Freude über den großen Erfolg. Der Mann hat
gerade alle Juroren begeistert mit seiner Version von „One“, er ist so
glücklich, dass er feuchte Augen hat. So ist das bei den lieben
Castingshows: Da wird noch vor Freude geweint.
„Ist das die Unscheinbare von eben?“
Eine
andere interessante Neuerung ist, dass inzwischen auch Kommentare der
Mitkandidaten hinter der Bühne gezeigt werden. Wohlgemerkt: keine, die
sie schön ausgeleuchtet in einer Kamera sagen. Teilweise lassen die
Ausschnitte eher vermuten, dass sie von der Kamera nichts wussten. Sie
hören die Stimme des aktuellen Sängers und reden darüber. Manchmal erst
abwertend, dann doch anerkennend. „Das ist die mit den Porno-Schuhen“,
sagt eine, und „Ist das wirklich eine Frau? Die Unscheinbare von eben?“
fassungslos die andere. Das gibt der Sache eine nette Authentizität.
Und in noch einem weiteren Punkt bildet „X
Factor“ den Gegenentwurf zu „DSDS“: Der Sexismus wurde umgedreht. Nicht,
dass das irgendetwas daran besser machen würde. Als ein gutaussehender,
aber begrenzt begabter junger Mann auf der Bühne steht, flirten die
Damen der Jury ausgiebig mit ihm. „Stimmlich hat’s einfach nicht
gereicht, aber wir haben dir gerne zugeschaut“, sagt Sandra Nasic
schließlich. Moses Pelham bemerkt daraufhin, was die Damen da abzögen,
sei in der Nähe von sexueller Belästigung. Und bekommt ein fröhliches
„H.P. macht das auch immer so!“ zur Antwort. Alles anders macht diese
Show also auch nicht. Aber manchmal ist es ja der Gedanke, der zählt.
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Sarah Connor, Sandra Nasic, Moses Pelham und H.P. Baxxter: Bei der
neuen Staffel “X Factor” wird vor Freude geweint - weiter lesen auf
FOCUS Online:
http://www.focus.de/kultur/kino_tv/sarah…aid_806228.html